So schlicht, so dicht, so gut.

Großes Schwärmen für Philip Roth.

Ich mag amerikanische Autoren. Egal ob Roth, Auster, Eugenides, Foer, Franzen oder Irving – ich habe von den genannten Autoren jeweils ein oder sogar mehrere Bücher gelesen und sie haben mir alle ausgesprochen gut gefallen.

Der menschliche Makel von Roth war zum Beispiel auch nicht nur ein sehr unterhaltsames Buch, es lieferte damals in unserem Literaturkreis ausreichend Gesprächsstoff für eine lange Diskussion. Die Verfilmung habe ich mir übrigens nie angesehen, denn ich hatte mir die Hauptfigur damals ganz anders als Anthony Hopkins vorgestellt. Das geht mir sehr oft so mit den Verfilmungen von Romanen. Wenn sich die Besetzung nicht annähernd mit meiner Vorstellung von den wichtigsten Personen in dem Buch deckt, dann bin ich raus.

Nach Jahren steht nun mal wieder ein Roth auf dem Programm meines Literaturclubs und ich habe mich wirklich darauf gefreut. Obwohl ich mich niemals für dieses Buch von ihm entschieden hätte. Aber dafür sind solche Lesekreise ja auch da: einen auf Bücher zu stoßen, die man sonst nicht in die Hand genommen hätte.

Die Geschichte spielt in der an der amerikanischen Ostküste gelegenen Stadt Newark, im heißen Sommer des Jahres 1944. Der junge Sportlehrer Bucky Cantor, der aufgrund seiner Kriegsuntauglichkeit nicht an der Front kämpft, kümmert sich um seine Schülerinnen und Schüler und vertreibt ihnen die lange Zeit der Sommerferien mit einem strammen Sportprogramm. Er verliebt sich in ein junges Mädchen aus sogenanntem guten Hause und man könnte meinen, ihnen beiden stünde ein Sommermärchen bevor. Aber die Stadt wird von einer Polio-Epidemie heimgesucht und besonders in dem Viertel, in dem sich Bucky Cantor um seine Schützlinge kümmert, erwischt es ein Kind nach dem anderen.

„Nemesis (= griechischΝέμεσις; Némesis, deutsch ‚Zuteilung (des Gebührenden)‘) ist in der griechischen Mythologie die Göttin des gerechten Zorns, der ausgleichenden Gerechtigkeit, wodurch sie zur Rachegottheit wurde.“

Die Handlung klingt so unspektakulär und schnell erzählt, aber in diesem Buch steckt wieder einmal so viel mehr. Mit seinem eher schlichten Geist und Gemüt versucht Bucky Cantor die großen Fragen Lebens zu lösen und verzweifelt daran, keine Antworten zu finden. Dieses Buch ist so unfassbar gut geschrieben, ein echtes Meisterwerk auf allen 224 Seiten. Hier passt einfach alles. Die Geschichte, die Charaktere, der Spannungsbogen und die Sprache, die durch so viele subtile Bilder eine Atmosphäre schafft, die auf mich einen richtigen Sog ausgeübt hat. Und dann ist da auch in diesem Buch wieder die Sache mit Gott – zack, hatte es mich sowas von am Haken.

Ich habe es verschlungen und freue mich so sehr darauf, in meinem Literaturkreis endlich mal wieder in kompromisslose Schwärmerei für ein Buch auszubrechen. Ein Jammer, dass Philip Roth immer nur als heißer Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt wurde, ihn aber nie verliehen bekommen hat.

Nemesis von Philip Roth, Hanser Verlag, 224 Seiten, 21,50 €

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