Über das Laufen und dicke Beine

Das Laufen und ich, wir können es gar nicht so richtig gut miteinander.

Das Laufen und ich, wir können es gar nicht so richtig gut miteinander.

Anders ist es mit dem Tanzen. Ich habe jederzeit Lust zu tanzen. Und da ist es mir vollkommen egal, ob es das reguläre Training vom Jazztanz ist, auch mal ganz klassisches Ballett und vielleicht sogar Paartanz. Es reicht auch schon gute Musik auf einer Party. Ich liebe es, mich zu Musik zu bewegen. Naja, ein kleines bisschen ist das ja beim Laufen auch so, denn ich laufe bis auf ganz wenige Ausnahmen immer mit Musik.

Und dennoch: Könnte ich mit den Fingern schnipsen oder einfach die Hacken zusammenschlagen und hätte damit dann 700 bis 1.300 kcal verbrannt, dann würde ich das tun. Auch heute noch. Ich würde auf die Lauferei verzichten und mich mit einem guten Buch in irgendeine Ecke des Gartens oder Hauses verkrümeln. Ich laufe auch heute nicht aus purem Vergnügen. Ganz selten gelingt es mir, dass ich einen Lauf tatsächlich von Anfang bis Ende wirklich genießen kann. Aber das ist selbst jetzt noch eine echte Ausnahme, der Anfang ist immer irgendwie mehr Hölle als Läuferhimmel. Es ist und bleibt einfach eine Plackerei. Aber es ist eben die Plackerei, die auf simple Art die meisten Kalorien verbrennt und die man mit relativ wenig Aufwand und zeitlich sehr flexibel betreiben kann.

Das ist der wahre Grund und war sehr, sehr lange auch der einzige: Ich bin mit der Lauferei angefangen, weil ich fit werden wollte. Und schlank. Vor allem schlank.

Ich war in meiner Schulzeit immer recht sportlich, habe wie auch heute noch gern viele Sachen ausprobiert und bin dann irgendwann für ein paar Jahre beim Tanzen und Trampolinspringen geblieben. Heute ärgere ich mich ein bisschen darüber, dass ich damals eher sprunghaft in der Wahl meiner Hobbys war. Ich habe viele Sportarten kennengelernt, aber so eine richtige Expertin wurde ich auf keinem Gebiet. Alle Leistungen waren immer sehr solide, aber ich war eben in keiner Disziplin ein Ausnahmetalent. Ich kann vieles ganz passabel, das muss reichen. Zum ersten Mal richtig gejoggt bin ich glaube ich mit 16. Wir sprachen damals vom Joggen wenn man sich Laufklamotten anzog, um tatsächlich mal vier Kilometer am Stück zu laufen, gern auch mit Pausen, allerdings ohne Zigarettenpause zwischendurch. Das Equipment war egal: irgendein Schuh der nach Sportschuh aussah, dazu meistens das Shirt und die Buxe, die gerade eh schon schmutzig und verschwitzt waren oder so löchrig, dass sie nur noch zum Schlafen und Joggen taugten. Ich habe das auch damals nicht getan, weil ich da Lust zu hatte. Sondern weil wir diesen Hund hatten, der raus wollte. Und weil ich diese Oberschenkel hatte, die schmaler werden sollten.

Ich war nie wirklich dick. Na gut, einmal in meinem Leben schon. Er konnte eben sehr gut kochen und ich hatte in der Zeit einfach überhaupt keine Zeit (oder war es kein Lust?) für Sport. Ich war aber auch nie dünn. Vielleicht als ganz kleines Kind mal. Man sagt, meine Oma habe mir damals 50 Pfennig gegeben, wenn ich meinen Teller so leer gegessen hatte, dass man das Mädchen mit dem Schmetterling auf dem Boden des tiefen Tellers sehen konnte. Geld bekommen fürs Aufessen. Das sollte mir heute mal jemand bezahlen, haha. Ich war eher das, was man so als stämmig oder kräftig bezeichnen würde. Vor allem so ab Taille abwärts. Und wenn ich im Sommer mit nackten Beinen so neben meinen Schulfreundinnen saß, dann habe ich meine Füße immer auf die Zehenspitzen gestellt, damit meine Oberschenkel nicht ganz aufliegen und so dünner aussehen. Ich habe nicht wirklich gelitten, dazu bestand auch wahrlich kein Grund. Aber auf die Frage bei Wahrheit oder Pflicht „Was würdest du an deinem Körper ändern wollen?“ habe ich immer wie aus der Pistole geschossen „Oberschenkel!“ geantwortet.

Laufen schien mir die beste Möglichkeit. Nicht so teuer wie eine Mukkibude, aber effektiv, was die verbrannten Kalorien angeht. Und so hatte ich die ein oder andere Phase in meinem Leben in der ich immer mal wieder joggen gegangen bin, um mich fit zu halten. Manchmal mit Begleitung, meistens aber alleine. Das hat mal mehr Spaß gemacht, mal weniger. Aber es war immer so und so ist es auch noch heute: Der schönste Moment waren immer die letzten Meter und wenn man es geschafft hatte. Es ging mir damals nie um die geschafften Kilometer geschweige denn um eine bestimmte Zielzeit, sondern ganz ehrlich: immer nur um die Anzahl der verbrannten Kalorien, die es mir erlaubten nach dem Laufen eben ohne schlechtes Gewissen ein dickes Eis oder eine ganze Tüte Chips zu essen.

So ging es jahrelang, bis ich irgendwann das Gefühl hatte eine Strecke von zehn Kilometern schon ganz gut laufen zu können, um nun doch mal am Paderborner Osterlauf teilzunehmen. Dieser Lauf ist ein wirklich großes Event in unserer Stadt und das schon seit Jahrzenten. Ich habe bis zu dieser ersten Anmeldung dort den Lauf immer nur als völlig nervend wahrgenommen, weil unmittelbar vor meiner Haustür Straßen dafür gesperrt wurden. Ich hatte keine Ahnung, warum alle immer so einen Zirkus um dieses Gerenne machten. Tja, bis man da plötzlich selber steht, mit einer Startnummer vor der Brust zwischen all den Läuferinnen und Läufern, die um die Wette strahlen, als hätten sie es schon hinter sich. Und ich dachte auch da noch: Kommt, macht hinne, ich will das hier endlich hinter mich bringen. Noch mit völligem Unverständnis für solche Dinge wie Pulsuhren, Funktionsklamotten, isotonische Getränke, Powerriegel oder den perfekten Laufschuh. Ha, wär hätte das gedacht.

Leider sieht man so etwas heute gar nicht mehr. Oder sehe ich die nur nicht mehr? Die Joggerinnen und Jogger in viel zu dicker Baumwolle, die im schlimmsten Fall mit Hallenschuhen ihre maximal vier Kilometer hinter sich bringen, dann ganz heldenhaft in ihr Auto einsteigen, sich eine Fluppe anmachen, um dann die 700 Meter nach Hause zu fahren. Wo sind sie hin?

Fortsetzung folgt…

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