Der Kleine im großen Ganzen

Welches Gefühl fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an Ihre Kindheit denken?

Ich bin großer Fan von Matthias Brandt. Und man kann es glauben oder nicht, als ich ihn das erste Mal in einer der Polizeiruffolgen sah, habe ich überhaupt keine Verbindung zu seinem Vater Willy Brandt hergestellt. Ich wusste einfach nicht, dass er der Sohn des großen SPD Mannes ist und ehrlich gesagt habe ich auch keine Ähnlichkeiten feststellen können. Nun ja, die sieht man in vielen Fällen ja auch erst, wenn man darum weiß oder welche sehen möchte, aber das ist ein ganz anderes Thema.

Irgendwann bin ich dann mal über dieses Interview ohne Worte gestoßen. Eine wunderbare Reihe der SZ. Die Idee wird von den Interviewpartnern allerdings mit sehr unterschiedlich großem Engagement umgesetzt. Matthias Brandt trifft allerdingt mit seiner Mimik und Gestik zu jeder Frage den richtigen „Ton“. Aber seht selbst und achtet auf die Frage nach seiner Kindheit.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/44100/Sagen-Sie-jetzt-nichts-Matthias-Brandt

Und dann denke ich so: Donnerwetter, in so einem Umfeld groß werden, so entspannt daran zurück denken und dann noch einen Beruf ergreifen, der für mein Empfinden sehr weit weg von Macht und Politik ist. Hm, vielleicht gerade deswegen.

Nun also neben Schauspieler, Hörbuch- und Hörspielsprecher auch noch Autor. Und genau so leise, unaufdringlich, aber präzise und mit dem Sinn und den richtigen Worten fürs Detail, kommt auch sein Buch „Raumpatrouille“ daher. Mich reißen keine Begeisterungsstürme vom Hocker, aber es ist trotzdem ein wirklich gutes Buch über Brandts Kindheit in einem etwas anderen Kosmos, in einer Welt, die sich doch wohl sehr vom Alltag anderer Kinder in den späten 60ern und 70ern unterscheidet.

Und es wäre schlicht nur ein schönes Buch, hätte Matthias Brandt in dieser Sache nicht noch zusätzlich mit seinem Freund und Musiker Jens Thomas etwas Besonderes daraus gemacht. Also diesmal nicht wie gewohnt die Musik zum Film, sondern die Musik zum Buch und sogar das Buch zur Musik, denn manchmal sei ein Song vor dem Hintergrund einer der Geschichten entstanden und hin und wieder eben auch eine Geschichte zu einem der Lieder. Und es passt in der Tat perfekt. Es mag daran liegen, dass Matthias Brandt schon so vielen Hörbüchern und  -spielen seine Stimme geliehen hat, dass er so eine Vorliebe für das akustische Erleben eines Buches hat. Wann bekommt man schon einen Soundtrack zum Buch? Ich kann mich nicht erinnern, so etwas schon mal im Doppelpack präsentiert bekommen zu haben. Bravo, Herr Brandt. Mehr davon bitte.

http://www.brandt-raumpatrouille.de/

„Raumpatrouille“ von Matthias Brandt, Kiepenheuer&Witsch 2016, 18,00 €
„Memory Boy“ von Jens Thomas, CD Roofmusic 2016, 16,99 € oder bei Spotify

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.