Auf der Jagd

Nachts sind längst nicht alle Katzen grau. Manche glänzen schwarz, andere leuchten weiß.

Vielleicht kennt ihr das Phänomen ja: Man pirscht immer wieder um ein Buch herum, weil es so ein interessantes Cover und einen herausragend guten Titel hat.

Erschienen ist es im Kein und Aber Verlag, versehen mit diesem wunderschönen, farbigen Buchschnitt. Ich halte mich ja sehr gerne und deswegen auch vergleichsweise oft in Buchhandlungen und Büchereien auf und so ging es mir eben mit genau diesem Buch. In unterschiedlichen Läden fiel es mir einfach immer wieder ins Auge. In meinem Lesekreis wurde es dann letztens tatsächlich als nächste gemeinsame Lektüre vorgeschlagen und ich frohlockte: „Ja, gerne! Da tanze ich schon so lange drum herum.“

Ich mag eigentlich keine Krimis. Früher schon, da hatte ich mal eine intensive Krimilesezeit. Alle möglichen Inspektor*innen, einen Fall nach dem anderen habe ich verschlungen. Und das wiederum hat unglaublich viel Zeit verschlungen, denn da gab es ja Autor*innen, die haben die Geschichten rausgehauen, wie am Fließband. Die gibt es ja sehr wahrscheinlich auch heute noch. Aber irgendwann war ich wohl einfach so etwas ähnliches wie satt, krimisatt. Vielleicht habe ich dieses Buch deswegen immer liegen lassen, denn zunächst kam mir die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken wie ein Krimi vor.

„Ein Neurochirurg überfährt einen illegalen Einwanderer. Es gibt keine Zeugen, und der Mann wird ohnehin sterben – warum also die Karriere gefährden und den Unfall melden? Doch tags darauf steht die Frau des Opfers vor der Haustür des Arztes und macht einen Vorschlag, der ihn komplett aus der Bahn wirft.“

Klingt erste einmal nach einer spannenden Geschichte, in meinem Kopf spinne ich mir eine Geschichte von Erpressung und einer Hetzjagd auf den Fahrerflüchtigen zusammen. Vielleicht war mir dieser Einblick ins Buch schon zu viel Krimi. Aber nun weiß ich, dass es eben viel mehr als nur eine spannende Geschichte ist. Es ist eine Geschichte über den Unterschied zwischen Gut und Böse. Darüber, dass es auch dazwischen einfach unglaublich viele Nuancen gibt. Eine Geschichte über das Glück, in dem ‚richtigen’ Land und in guten Verhältnissen aufgewachsen zu sein. Und irgendwie ist es auch eine Heldengeschichte. Was mich vor allem fasziniert hat, ist der Schauplatz: die Wüste Negev in Israel. Ich war beim Lesen schon sehr lange nicht mehr so weit weg von zu Hause. Das war das kleine i-Tüpfelchen: Ich habe noch etwas über eine Welt gelernt, die ich persönlich wirklich noch nie auf dem Schirm hatte.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings doch. Und das ist vielleicht der Tatsache geschuldet, dass die Autorin eben vor allem auch eine spannende Geschichte schreiben wollte, so gleich zu Beginn mächtig viel Spannung aufgebaut hat und diese auch so lange wie möglich halten wollte: Die ein oder andere Wendung wirkt ein klein wenig zu konstruiert. Aber ich muss zugeben, da bin ich auch wirklich besonders pingelig.

„Löwen wecken“ Roman von Ayelet Gundar-Goshen, 424 Seiten, Kein und Aber Verlag

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